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Tiergeschichten zum Verunsichern"
102 Seiten geheftet schriftdeutsch heiter -philosophisch

Die heitere Form soll nicht darüber wegtäuschen, dass meist menschliche Probleme oft kritisch glossiert und in Frage gestellt werden

 
Die Eintagsfliege
 
   

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Eintagsfliege
Holzwurm
Gottesanbeterin
Drohne
Seepferdchen
Mäuserich
Gemse
Warzenschwein
Biene
Ameisen
Regenwurm
Muschel
Maikäfer
Rabe
Wolf
Alter Regenwurm
Koralle
Laubfrosch
Auerhenne I
Krähe
Hase
Floh
Marienkäferl
Käsewurm
Stechmücke
Kreuzspinne
Schmetterling
Fuchs
Kater Maunz
Katze Minz
Katze Munz
Zeiserl
Weinbergschnecke
Schwan
Apfelwickler
Leuchtkäfer Baldur
Kuckuck
Pfau
Goldfisch
Ratte
Leuchtkäfer Romanza
Ringelnatter
Maulwurf
Marder
Kuh
Hammel
Hirsch
Ente
Kohlweißling
Auerhenne Esmeralda
Gockel
Dackel
Katze Käts
Krähe
Wespe
Esel
Raupe
Igel
Hummel
Löwe
Lerche
Elster
Hirsch
Eidechse
Fischreiher
Pferd
Libelle
Sperling


Warum man das Glück oft nicht sieht
Wann man zufrieden ist
Die höchste Liebeslust
Über das Selbstverwirklichen
Kinderkriegen für Männer
Verirrungen der Liebe
Über den Wert der Dinge
Über den Schönheitsbegriff
Etwas über Politik
Rassenhygiene
Warum es ein Wurm besser hat
Bildung durch Reisen
Warnung vor Tiefenpsychologie
Falschdiagnose
Über das 3. Reich und andere Horden
Von der Selbstüberschätzung
Bleibe ein Teil der Masse !
Wie man Pessimist werden kann
Zwang der Mode
Der musikalische Geschmack
Etwas über die Tapferkeit
Von der Gemeinnützigkeit
Krieg ohne Kriegserklärung
Subjektive Geruchswahrnehmung
Problematischer Tierschutz
Problem der Abrüstung
Das vollendete Leben
Recht oder Gerechtigkeit?
Der Wert der Rarität
Problematische Identität
Geliebt werden ist Lebensinhalt
Über die Freiheit
Notwendigkeit der Distanz
Adelige Rassenhygiene
Ungeklärte Eigentumsverhältnisse
Großes Glück verdeckt kleine Freuden
Grenzen der moralischen Prinzipien
Der Zweck der Schönheit
Das Problem des Fernwehs
Kleider machen Ratten
Getötete Illusionen
Vom Höherstreben
Man dränge niemand eine Kultur auf
Verbrechen und Philosophie
Der Menschenschutzverein
Die befohlene Demokratie
Die Weisheit der Natur
Betrügerisches Urteil
Etwas über den Optimismus
Probleme der Sexualmoral
Fehlschlag bei der Emanzipation
Problematische Liebe
Fehlende Verwandtenliebe
Demokratische Freiheit
Weltherrschaftsgelüste
Über die Pflichterfüllung
Pelz oder nackt?
Feinfühligkeit
Militärische Abschreckung
Der Nimbus
Anerkennung des Genies
Warnung vor Ehrlichkeitsbeteuerung
Demokratieempfehlung
Sprachwissenschaftliches
Die Gesetze
Über die Unsterblichkeit
Regen bringt Segen
Verachtete Dichtkunst
 
Leseprobe

D i e E i n t a g s f l i e g e
oder
Warum man das Glück oft nicht sieht.

Grade mache ich einen Spaziergang. Da treffe ich eine Eintagsfliege, eine uralte. Ach Gott, wie war sie traurig! Sie jammert. "Mein Gott" seufzt sie, "man sollte nicht so alt werden."
"Was hast Du denn" sage ich, "Du hast doch noch eine ganz gute Kondition und kannst noch fliegen wie eine junge."
"Ach Gott, nein, nein" jammert die Eintagsfliege "ich habe es ja schon gesagt. Man sollte nicht so alt werden, da hat man nichts mehr von seinem Leben. Meine Liebe ist ja auch schon erkaltet. Um halb neun Uhr früh bin ich auf die Welt gekommen, das heißt, bin ich zum ersten mal geflogen. Und jetzt ist der Tag schon bald vorbei."
"Ach" meine ich, "es ist doch noch früh am Tage. Es wird noch lang nicht finster."
"Nicht finster" wiederholt das Insekt, "was ist denn das ´finster´?"
Da mischt sich ein Has ein, der zugehört hat. "Mach halt Deine Augen zu, dann siehst Du, daß es finster ist." sagt er und macht es vor.
"Das geht bei mir nicht" sagt die Eintagsfliege, denn sie hat ja keine Augendeckel.
"Laß" sage ich zum Hasen, "sie sieht eben nur das Helle."
"Was ist denn das, ´das Helle´?" fragt die Eintagsfliege.
"Jetzt weiß dieses dumme Luder nicht wann es hell ist" lästert der Hase.
Ich aber erkläre es dem Insekt. "Jetzt ist es doch hell" sage ich. "jetzt ist doch ein Licht da."
"Ich sehe kein Licht" konstatiert die Eintagsfliege, "ich habe noch nie ein Licht gesehen, seit ich heute früh um halb neun Uhr meine Fluggeburt gefeiert habe. Ich sehe nur die Sachen die da sind, aber kein Licht."
Ich aber weiß nun, was schuld ist. "Du kennst keine Finsternis" erkläre ich "und deshalb fällt Dir gar nicht auf, wenn es hell ist und wenn ein Licht da ist. Sicher ist das so. Eine Finsternis muß man kennen, dann erst kann man merken, wenn ein Licht da ist."
Der Hase schüttelt nur seine Ohren "Wenn sie auch alt ist" brummt er und hobbelt langsam weg, "alt als Eintagsfliege meine ich, so alt wird sie nie, daß sie Licht und Finsternis auseinander kennt. Ein dummes Luder bleibt sie ihr Leben lang."
Das war natürlich recht hasisch und recht egozentrisch gedacht.
Mir pressierts leider und ich muß mich von der alten Eintagsfliege verabschieden Ich wünsche ihr noch recht warme Minuten.
Beim Heimgehen denke ich mir, daß das doch das gleiche ist, wie bei uns mit dem Glück. Wir merken gar nicht wenns da ist. Erst, wenn es nicht mehr da ist, dann merken wir, daß es vorher da war. Und drum ist es schon gut, wenn man manchmal Pech hat. Dann merkt man viel besser, wenn das Glück wieder kommt.
Das Pech braucht ja nicht allzu lang zu dauern.

 
Leseprobe

D e r S p e r l i n g .
oder: Verachtete Dichtkunst.

Grade gehe ich wieder spazieren. Da höre ich aus einem Busch einen schrecklichen Lärm. Ein ganzer Schwarm von Spatzen hält gerade ein inniges Plauderstündchen. Das ist sehr lebhaft. Alle sind sehr beschäftigt mit Diskussion, nur einer hat sich etwas abgesondert. Das scheint also ein Besonderer zu sein.
"Grüß Gott" sage ich zu dem Abgesonderten, "Du nimmst gar nicht teil an den Gesprächen?"
"Nein" sagt der einzelne Sperling, "sie sind gerade beim Einüben einer Prosaerzählung. Ich verachte Prosaerzählungen. Ich bin ein Dichter."
"Respekt" rufe ich, "da bist Du sicher sehr bedeutend. Hast Du schon Bücher geschrieben?"
"Wir Sperlinge haben keine Bücher" erklärt er, "wir haben ein so gutes Gedächtnis. Wir behalten alles auswendig."
"Intressant" stelle ich fest, "aber Du hast sicher schon viele Werke verfaßt. Wie heißt Du eigentlich? Ich darf doch DU sagen."
"Ich bin Friedolin Wolkenschau" stellt er sich vor. "Freilich sollst Du DU sagen. Ich glaube, wir verstehen uns ja. Und große Werke hab ich natürlich auch verfaßt. Sie werden nur nicht gewürdigt."
"Das ist das Los vieler großer Dichter" bemerke ich.
"Aber meine Hymne" jammert er, "meine Spatzenhymne. Man könnte sie im Canon singen. Sie ist so einprägsam. ´Pi pipi pi pipipipi pipipi pi. Alle wolln wir im Verein pipipi so fröhlich sein. Pipipi, pipipi, pipipi.´. Die zweite Strophe ist dann noch genialer. Man kann sie aber nur im Chor singen. Es klingt zunächst etwas verworren und wird dann tonal und einfach. Das ist das Geniale. Ich habe die Dichtung vorgetragen. Aber nein, die Vereinsleitung will stur nur das Altherkömmliche. Immer nur das Altherkömmliche. Es ist zum Verzweifeln. Ich bin total frustriert. Aber ich kämpfe weiter. Eines Tages werden sie mein Genie anerkennen."
"Viele Dichter sind erst nach ihrem Tod berühmt geworden" bemerke ich. Aber das tröstet den Sperling Friedolin Wolkenschau keineswegs. Sowas tröstet ja auch menschliche Dichter wenig.
"Ich möchte aber anerkannt werden, solange ich noch lebe" mault er. "Ich werde weiterschaffen. Auch, wenn niemand meine Werke anerkennt, das heißt eben: zur Zeit nicht anerkennt. Wenn ich nicht weiterdichte, habe ich keine Hoffnung. Es geht um das Prinzip Hoffnung."
"Ja" sage ich, "da hast Du recht. Man muß einfach weiter schaffen. Solange man ein klein wenig Hoffnung hat, macht das Schaffen Freude."
Da sieht mich der Sperling Friedolin Wolkenschau so dankbar an. Grad, als ob er sagen würde: "Gelt, wir verstehen uns."
Und es spielt auch keine Rolle, daß die Masse der Spatzen nebenan im Busch so lärmt. Er glaubt ja an sich. Und das ist wichtig.


 

 

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