Weihnachtliche Geschichten

 

   
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Lausbubengeschichten

Heitere Geschichten rund um Weihnachten (Heft 40 Seiten heiter und ernst. Preis 3.- Euro)

Leseprobe

Der Nikolaus mit dem himmelblauen Unterrock. Es war am 5. Dezember. Wir sind im Wohnzimmer gesessen: mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und ich. Plötzlich hat es unten im Hausgang geklirrt und wir haben gemeint, es ist der Nikolaus mit seinen Ketten. Es waren aber keine Nikolausketten, sondern der röhrende Hirsch aus Porzellan vom Hausgang. Man hat auch noch gehört, wie jemand geflucht hat: "Herrschaftseiten, sowas muß einem gerade jetzt passieren." Der Vater und die Mutter haben sich angeschaut, aber sie haben nichts gesagt, sie haben nur geschaut.
Dann hat es stark gepoltert und geklirrt. Der Vater ist aufgesprungen und hat die Tür aufgerissen und hat gerufen: "Der Nikolaus kommt." Meine Schwester ist aufgestanden und der Dackel hat gebellt.. Dann ist der Nikolaus hereingekommen und hat gesagt: "So" und, daß er jetzt da ist, und dabei hat er stark auf den Dackel geschaut. Ich habe gleich gewußt, daß es die Tante Klara ist, denn das hat man schon an den langen Fingernägeln gekannt und am Geruch, und ich habe mir gedacht: das gibt eine Viecherei.
Der Nikolaus hat gegrunzt und hat gesagt: "Seid Ihr auch alle brav gewösen?" Ich habe gerufen: "Jawohl, Herr Nikolaus." Da hat der Nikolaus gehustet und hat gesagt: "Das ist schön von Euch, aber ich glaube es nicht." Darüber habe ich mich sehr geärgert und ich habe gerufen: "Tante Klara, Dir hängt der Unterrock vor." Da hat der heilige Nikolaus geschnappt und hat gerufen: "Wo?". Alle haben hingeschaut und haben gesehen, daß der Nikolaus Seidenstrümpfe angehabt hat und noch dazu die lila von der Tante Klara und Stöckelschuhe Da ist mir das Lachen ausgekommen und mein Vater hat sein Taschentuch vor den Mund gehalten, damit man nicht sieht, daß er lacht. Der Nikolaus aber hat gemerkt, daß ich ihn bloß getratzt habe und, daß jetzt alle wissen, daß er die Tante Klara ist. Da hat er eine furchtbare Wut gekriegt und mit einer hohen Fistelstimme geschrien, daß ich der unverschämteste Rotzlöffel bin, den es gibt und er kommt mir schon.
Ich bin ganz hinten gesessen auf der Bank. Ich habe schon gewußt warum. Die Nikolaustante hat furchtbar mit dem Stecken herumgefuchtelt und nach mir geschlagen. Sie hat mich aber nicht erwischt, weil ich ganz hinten gesessen bin. Dafür hat sie den Maßkrug von meinem Vater erwischt und das Bier ist über die Tischdecke gelaufen und meinem Vater auf die Hose. Der ist aufgesprungen und hat den heiligen Nikolaus gefragt, ob er spinnt und die Mutter ist auch aufgesprungen und der Dackel hat gebellt und ist dem Nikolaus hinaufgesprungen. Der Nikolaus ist gehupft und hat zu meinem Vater gesagt: "Schorsch, bind den Köter an", aber mein Vater war schon draußen wegen der nassen Hose.
Dann war es eigentlich schon fast Schluß, nur der Nikolaus hat noch was sagen wollen. Aber es ist nicht gegangen, weil er die Oberlippe hinaufziehen hat müssen, sonst wäre ihm der Bart heruntergefallen. Er hat immer probiert, ob er noch pappt, aber der Leim war schon trocken, drum hat er nichts mehr gesagt, nur geschnappt und die Augen gerollt. Und dann ist er zur Türe hinaus.
Gleich darauf hat es einen Riesenspektakel gegeben. Der Nikolaus hat geschrien: "Sauviech, miserabliches" und dann hat es gepoltert wie bei einem Gewitter. Ich bin gleich hinausgelaufen, damit mir nichts auskommt. Es ist mir auch nichts ausgekommen, denn ich habe gerade noch den heiligen Nikolaus gesehen am Ende von der Treppe mit die Füß nach oben. Diesmal hat der Unterrock wirklich hervorgeschaut. Es war himmelblau.
Ich habe furchtbar gelacht und habe gerufen: "Der Nikolaus ist geflogen". Da sind alle gekommen und es war sehr interessant.
Am nächsten Tag ist meine Tante Klara gekommen und hat sehr giftig geschaut, besonders auf mich. Und, wie sie gegangen ist, habe ich noch gehört, wie sie zu meinem Vater gesagt hat: "Nächstes Jahr kannst Du Deinen Nikolaus selber machen".
Sie hat auch nie mehr einen gemacht.


 
 

 

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