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Der Nikolaus mit dem himmelblauen Unterrock. Es war
am 5. Dezember. Wir sind im Wohnzimmer gesessen: mein
Vater, meine Mutter, meine Schwester und ich. Plötzlich
hat es unten im Hausgang geklirrt und wir haben gemeint,
es ist der Nikolaus mit seinen Ketten. Es waren aber
keine Nikolausketten, sondern der röhrende Hirsch
aus Porzellan vom Hausgang. Man hat auch noch gehört,
wie jemand geflucht hat: "Herrschaftseiten, sowas
muß einem gerade jetzt passieren." Der
Vater und die Mutter haben sich angeschaut, aber sie
haben nichts gesagt, sie haben nur geschaut.
Dann hat es stark gepoltert und geklirrt. Der Vater
ist aufgesprungen und hat die Tür aufgerissen
und hat gerufen: "Der Nikolaus kommt." Meine
Schwester ist aufgestanden und der Dackel hat gebellt..
Dann ist der Nikolaus hereingekommen und hat gesagt:
"So" und, daß er jetzt da ist, und
dabei hat er stark auf den Dackel geschaut. Ich habe
gleich gewußt, daß es die Tante Klara
ist, denn das hat man schon an den langen Fingernägeln
gekannt und am Geruch, und ich habe mir gedacht: das
gibt eine Viecherei.
Der Nikolaus hat gegrunzt und hat gesagt: "Seid
Ihr auch alle brav gewösen?" Ich habe gerufen:
"Jawohl, Herr Nikolaus." Da hat der Nikolaus
gehustet und hat gesagt: "Das ist schön
von Euch, aber ich glaube es nicht." Darüber
habe ich mich sehr geärgert und ich habe gerufen:
"Tante Klara, Dir hängt der Unterrock vor."
Da hat der heilige Nikolaus geschnappt und hat gerufen:
"Wo?". Alle haben hingeschaut und haben
gesehen, daß der Nikolaus Seidenstrümpfe
angehabt hat und noch dazu die lila von der Tante
Klara und Stöckelschuhe Da ist mir das Lachen
ausgekommen und mein Vater hat sein Taschentuch vor
den Mund gehalten, damit man nicht sieht, daß
er lacht. Der Nikolaus aber hat gemerkt, daß
ich ihn bloß getratzt habe und, daß jetzt
alle wissen, daß er die Tante Klara ist. Da
hat er eine furchtbare Wut gekriegt und mit einer
hohen Fistelstimme geschrien, daß ich der unverschämteste
Rotzlöffel bin, den es gibt und er kommt mir
schon.
Ich bin ganz hinten gesessen auf der Bank. Ich habe
schon gewußt warum. Die Nikolaustante hat furchtbar
mit dem Stecken herumgefuchtelt und nach mir geschlagen.
Sie hat mich aber nicht erwischt, weil ich ganz hinten
gesessen bin. Dafür hat sie den Maßkrug
von meinem Vater erwischt und das Bier ist über
die Tischdecke gelaufen und meinem Vater auf die Hose.
Der ist aufgesprungen und hat den heiligen Nikolaus
gefragt, ob er spinnt und die Mutter ist auch aufgesprungen
und der Dackel hat gebellt und ist dem Nikolaus hinaufgesprungen.
Der Nikolaus ist gehupft und hat zu meinem Vater gesagt:
"Schorsch, bind den Köter an", aber
mein Vater war schon draußen wegen der nassen
Hose.
Dann war es eigentlich schon fast Schluß, nur
der Nikolaus hat noch was sagen wollen. Aber es ist
nicht gegangen, weil er die Oberlippe hinaufziehen
hat müssen, sonst wäre ihm der Bart heruntergefallen.
Er hat immer probiert, ob er noch pappt, aber der
Leim war schon trocken, drum hat er nichts mehr gesagt,
nur geschnappt und die Augen gerollt. Und dann ist
er zur Türe hinaus.
Gleich darauf hat es einen Riesenspektakel gegeben.
Der Nikolaus hat geschrien: "Sauviech, miserabliches"
und dann hat es gepoltert wie bei einem Gewitter.
Ich bin gleich hinausgelaufen, damit mir nichts auskommt.
Es ist mir auch nichts ausgekommen, denn ich habe
gerade noch den heiligen Nikolaus gesehen am Ende
von der Treppe mit die Füß nach oben. Diesmal
hat der Unterrock wirklich hervorgeschaut. Es war
himmelblau.
Ich habe furchtbar gelacht und habe gerufen: "Der
Nikolaus ist geflogen". Da sind alle gekommen
und es war sehr interessant.
Am nächsten Tag ist meine Tante Klara gekommen
und hat sehr giftig geschaut, besonders auf mich.
Und, wie sie gegangen ist, habe ich noch gehört,
wie sie zu meinem Vater gesagt hat: "Nächstes
Jahr kannst Du Deinen Nikolaus selber machen".
Sie hat auch nie mehr einen gemacht.
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